Verfasst von: Sabine Kalitzkus | 30. Oktober 2008

Montagnier und die Isolierung des Herzens

Täglich äußern sich weitere Kommentatoren zu Henry Bauers Artikel zur Vergabe des diesjährigen Nobelpreises für Medizin an Luc Montagnier.

Jetzt machte Sadunkal darauf aufmerksam, daß auch die Perth Group Analysen und Kommentare zu dieser Entscheidung publiziert hat.

Das Virus ohne Virus-Partikel

In ihrem ersten Dokument diskutieren Eleni Papadopulos-Eleopulos und ihre Kollegen Montagniers Arbeit „Isolation of a T-lymphotropic retrovirus from a patient at risk for acquired immune deficiency syndrome (AIDS)“, die 1983 in der Zeitschrift „Science“ erschienen war. Anhand von Experimenten hatte Montagnier neben anderem versucht, die Isolation und Produktion eines Retrovirus zu beweisen. Die Zellen hatte er den vergrößerten Lymphknoten eines homosexuellen Patienten entnommen, den er „BRU“ nannte. Anschließend hatte er versucht, das Virus von BRUs Zellen auf die kultivierten Zellen eines gesunden Spenders zu übertragen.

In ihrem Kommentar bemängelt die Perth Group unter anderem, daß die Experimente keine Kontrollen beinhaltet hatten. Kontrollen seien ein

unentbehrlicher Teil eines wissenschaftlich gültigen Experiments, wenn man zeigen will, daß der Faktor, der getestet wird, tatsächlich für den beobachteten Effekt verantwortlich ist.

Des weiteren stellen Papadopulos und ihre Kollegen fest, daß die Entdeckung des Enzyms Reverse Transkriptase nicht als Beweis einer Virus-Übertragung angesehen werden kann, da die Aktivität dieses Enzyms auch BRUs Zellen allein zugeschrieben werden könnte.

Sie weisen darauf hin, daß das Wort Isolierung von dem lateinischen „insulatis“ stammt, das „zu einer Insel gemacht“ bedeutet. Deshalb ist Isolierung die Reinigung eines Objektes von allem anderen.

Die Entdeckung von Reverser Transkriptase ist keine Isolierung von irgend etwas, geschweige denn eines Virus. Wenn beispielsweise ein Arzt bei einem Patienten mit Brustschmerzen einen Bluttest anordnet, sucht er nach Anzeichen für Enzyme, die aus den verletzten Muskelzellen des Herzens in den Blutstrom entweichen. Wenn solche Enzyme vorhanden wären, würde es niemandem einfallen, dies als „Isolierung des Herzens“ zu bezeichnen. Die Entdeckung der Aktivität von Reverser Transkriptase könnte als Beweis für die Entdeckung eines Retrovirus angesehen werden, wenn und nur wenn Reverse Transkriptase spezifisch für Retroviren wäre. Dies ist nicht der Fall.

Es kommt aber noch besser.

In ihren erschöpfenden Kommentaren zu Montagniers drittem Experiment, in das unter anderem auch weiße Blutkörperchen aus einer Nabelschnur und untaugliche Fotos aus einem Elektronenmikroskop (sogenannte „Mikrographen“) involviert waren, beleuchten Papadopulos et al. Montagniers Schlußfolgerung, daß „dieses Virus ein typisches Typ-C RNA Tumor-Virus“ sei. Das klingt nach Reagan und seiner zehnjährigen, Milliarden Dollar teuren Hetzjagd nach Viren, die Krebs verursachen sollten, die jedoch schon vor Beginn der AIDS-Ära wegen Erfolglosigkeit eingestellt worden war.

Hier wird nun auf die nicht vorhandenen aussagekräftigen Mikrographen hingewiesen, die nach Meinung aller Retrovirologen einschließlich Montagniers obligatorisch seien, will man die Entdeckung eines neuen Retrovirus beweisen.

Der französische Journalist Djamel Tahi fragte Montagnier 1997, warum es keine solchen Fotos von „HIV“ gebe. Montagnier antwortete, daß sie auch nach „herkulischen Anstrengungen“ keine Partikel sehen konnten, deren Morphologie typisch für Retroviren war. „Sie waren sehr unterschiedlich. Relativ unterschiedlich.“

Im Dezember 2005 interviewte Tahi Charles Dauget, den Elektronen-Mikroskopiker des Pasteur Instituts und Co-Autor des Montagnier-Papiers von 1983. Dauget wurde auch gefragt, warum es keine Mikrographen des isolierten „HIV“ gebe. Er antwortete:

Wir haben nie Viruspartikel im gereinigten [isolierten] Virus gesehen. Was wir die ganze Zeit gesehen haben, waren Zelltrümmer, keine Viruspartikel.

„HIV“, ein Virus, in dem keine Viruspartikel zu sehen sind – ein „gereinigtes“ Virus voller Zellmüll.

Die Jugend von heute würde diesem Kunstwerk wahrscheinlich das Prädikat „cool!“ verleihen und anerkennend ausrufen: „Das funzt!“

Man stelle sich einen „gereinigten“, „isolierten“ Menschen vor, an und in dem keine menschlichen Partikel mehr zu sehen sind. Kopf, Hände, Füße, Arme, Beine, Augen, Ohren, Nase, Muskeln, Haare, Fingernägel, Haut, primäre und sekundäre Geschlechtsorgane, sämtliche anderen, im menschlichen Körper typischerweise vorhandenen Organe wie Leber, Nieren, Milz, Gehirn – alles fehlt. Mikrobiologen der AIDS-Ära würden nun sagen: „Macht doch nichts, das ist trotzdem ein Mensch. Die Beweise sind überwältigend. Und überhaupt. Wir sind uns alle einig. Debatte beendet.“

Die Wirkung rennt den Ursachen voraus

Der Perth Groups zweites Dokument beleuchtet Experimente Montagniers, die er in den Jahren 1984, 1985 und 1991 veröffentlichte.

In einem dieser Experimente wollte er beweisen, daß „HIV“ T4-Zellen zerstört, indem es deren Zelltod (Apoptosis) verursacht. Er beobachtete dabei ein Maximum des Zelltodes sechs bis sieben Tage nach der Infektion, wogegen das Maximum der Virenproduktion zwischen dem zehnten und siebzehnten Tag nach der Infektion erfolgte. Die Mehrzahl aller T4-Zellen war also schon lange tot, bevor das Virus sie infizieren konnte.

So muß man es machen: Sterben, bevor der Mörder kommt – eine wirksame Variante des vorauseilenden Gehorsams.

In diesen Experimenten offenbarte sich auch die Tatsache, daß der Zelltod ganz andere Ursachen haben kann, die nichts mit „HIV“ zu tun haben. Montagnier interpretierte dies (seine eigenen Forschungsergebnisse ignorierend) mit dem „beschleunigenden“ Effekt, den „HIV“ auf das Absterben seiner schon halbtoten Zellkulturen hatte.

Dennoch waren sich bereits im Jahre 1986 Gallo und Montagnier darin einig, daß erstens „HIV“ allein zu keinem Zelltod führte, zweitens „HIV“ plus oxidierende Stimulierung die Zellen zum Absterben brachte und drittens Oxidation dies auch ganz allein ohne die Hilfe von „HIV“ erreichte.

Die folgenden Abschnitte widmen Papadopulos und ihre Kollegen der Würdigung von Montagniers sorgsam getarnter wissenschaftlicher und menschlicher Integrität.

Vor dem Europäischen Parlament sagte Montagnier am 8. Dezember 2004, daß die Ursache für den AIDS-Tod in einer Abnahme der Anzahl der T4-Zellen läge, verursacht durch Apoptosis. Apoptosis jedoch würde verursacht durch starken oxidativen Streß. Er verzichtete darauf, die Ursachen der Oxidation bei Kranken in der westlichen Welt zu benennen und beschränkte sich auf AIDS in Afrika. Dort könne man oxidativen Streß selbst bei nicht-infizierten Individuen finden, der dort durch Mangelernährung verursacht würde.

Oxidativer Streß ist jedoch auch die Ursache der AIDS-Erkrankung in der westlichen Welt. Dr. Heinrich Kremer schreibt darüber seit Jahren. Anfang des Jahres veröffentlichte Tony Lance seine Arbeit „Gay Related Intestinal Dysbiosis“, die ich Ihnen in meinem Artikel „Was sind die Ursachen von AIDS“ vorstellte.

Minuten nach der Bekanntgabe der diesjährigen Empfänger des Nobelpreises für Medizin gab Montagnier dem Herausgeber vom Dienst der Website Nobleprize.org, Adam Smith, ein Telefoninterview. Er sagte darin:

Ich glaube, es gibt Faktoren; ich unterstütze das seit langem. Aber ich beginne jetzt zu denken, daß diese Co-Faktoren indirekt wirken, indem sie Mutationen verursachen – oxidativer Streß, freie Radikale, die Mutationen des Virus bewirken können. Sie haben das enorme Potential des Virus gezeigt, sich ständig zu verändern. Das ist neu, ziemlich neu, und das war die Ursache der Epidemie.

Die Perth Group stellt dazu fest, daß die oxidative Theorie von HIV/AIDS weder neu ist, noch von Montagnier stammt. Eine Suche bei „Medline“ förderte die erste jemals zu diesem Thema publizierte Arbeit zutage: „Reappraisal of AIDS: Is the oxidation induced by the risk factors the primary cause?“ von Eleni Papadopulos-Eleopulos, veröffentlicht 1988 in der Zeitschrift „Medical Hypotheses“. Belege dafür, daß Oxidation der zugrunde liegende Mechanismus für die zelluläre Stimulierung und Aktivierung des Immunsystems sein könnte, veröffentlichte Papadopulos bereits 1982, lange vor der Entdeckung von „HIV“.

1991 machte die Perth Group Montagnier persönlich auf ihre oxidative Theorie aufmerksam, indem sie ihm ihre veröffentlichten Arbeiten zusandte. Montagnier versprach, die Papiere nach der Lektüre zurückzuschicken. Das hat er sich geschenkt.

1992 publizierte die Perth Group eine Arbeit mit dem Titel „Oxidative stress, HIV and AIDS“ in einer Zeitschrift des Pasteur Instituts. Montagnier versprach dem Herausgeber der Zeitschrift, er werde sowohl auf die Arbeit der Perth Group als auch auf ein Papier von Peter Duesberg antworten, das in derselben Ausgabe erschienen war. Er antwortete bis heute nicht.

Im Anschluß an die Rede vor dem Europäischen Parlament, in der Montagnier sich klar als Verteidiger der oxidativen Theorie zeigte, forderte die Perth Group ihn im Jahre 2006 in einer wissenschaftlichen Zeitschrift direkt heraus. „Möchte Montagnier bitte klären, ob HIV oder Oxidation durch Risikofaktoren die primäre Ursache von AIDS ist?“ lautete der Titel der Arbeit. Montagnier antwortete wieder nicht.

Indem er es versäumt, auf die wiederholten Infragestellungen seiner Arbeit zu reagieren, schreibt die Perth Group weiter, widerspricht Montagnier der Ansicht des Nobelpreisträgers Howard Temin, einem der bedeutendsten Retrovirologen. Temin schrieb:

Wenn ein Experiment angezweifelt wird, egal von wem, liegt es in Ihrer Verantwortung, die Sache zu überprüfen. Das ist eine eiserne Regel der Wissenschaft, daß Sie für das verantwortlich sind, was Sie veröffentlichen … selbst von dem ranghöchsten Professor, der von dem niedrigsten Techniker oder Studenten in Frage gestellt wird, wird erwartet, daß er ihn ernst nimmt und über seine Kritik nachdenkt. Das ist einer der fundamentalsten Aspekte der Wissenschaft. (Hervorhebung im Original)

Eines kann man von Montagnier ganz sicher lernen: mit welchen Methoden man sich eine Machtposition erkämpft und sie jahrzehntelang beibehält.

Traurig ist an der Geschichte, daß aufgrund dieser macht- und geldgeilen Unwissenschaft mehr als 150.000 Menschen gestorben sind, die wahrscheinlich heute noch am Leben wären, hätte man damals die Theorien von Peter Duesberg, der Perth Group und anderen ernst genommen und erforscht.


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